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Darwin Correspondence Project

From Alfred Moschkau1    26 March 1878

Redaktion | des Illustrirten Briefmarken-Journal’s, der Saxonia | der Blätter für Autographen und Portraitsammler. Gohlis-Leipzig,

den 26. März 1878.

Hochverehrter Herr!

Seit Langem habe ich es nicht gewagt Ihnen durch ein Schreiben lästig zu fallen. Trotzdem habe ich Ihrer Thätigkeit stets mein Augenmerk zugewendet und die Ihnen dargebrachten Huldigungen Ihrer Verehrer und der Engl. Universität mit hoher Genugthuung bemerkt.2 Der herbe Angriff Virchows auf Ihre Lehre veranlasste mich die Feder zu einem Abweise desselben zu benützen, welchen ich Herrn Professor Häckel zusandte.3

Zweck meines heutigen Schreibens ist erstlich Ihnen meinen höflichsten Dank zu sagen für die mir durch Aufnahme Ihnen übermittelter Notizen in Ihre Werke gewordene grosse Ehre; ferner Ihnen einige neue von mir gemachte Erfahrungen zur Begutachtung und späterer Benützung zu unterbreiten.4

Der erste Fall betrifft die Vererbung einer Abnormität am Ohre eines Thüringers auf seinen Sohn. Der Vater hat nehmlich am linken Ohre in sofern einen angeborenen Mangel, als ihm an der Ohrmuschel der äusserste, oben umgeschlagene Rand fehlt. Sein Söhnlein kam mit ganz demselben Mangel behaftet zur Welt, ihm fehlt ebenfalls am linken Ohre der äusserste Rand der Ohrmuschel. Das Ohr hat dadurch bei Vater und Sohn einen mehr spitzen Character, ohne jedoch sehr aufzufallen.5

Zweitens möchte ich mir erlauben Sie auf Vererbung der Temperamente der Ammen auf ihre Säuglinge aufmerksam zu machen. Dieser Umstand ist hochwichtig und von diesem Standpunkte aus noch sehr wenig gewürdigt. So wie man zugiebt dass sich gewisse Krankheiten der Ammen (oder der säugenden Mutter!!) auf das Kind übertragen können, so wird man auch bestätigt finden, dass durch den Milchgenuss gewisse Fähigkeiten, namentlich aber die Temperamente eingesogen werden. “Die Milch der frommen Denkungsart”6 ist daher mehr wie Ironie. Giebt man diese Uebertragung aber zu, so steht man vor einem beachtenswerthen Factum, dem der Ammenfrage und der Frage ob dann das Ammenhalten überhaupt noch zu rechtfertigen ist. Mir liegen Beweise vor, das Kinder von phlegmatischen, verschlossenen Ammen gestillt, diese Temperamente und Characterart er u. behielten. Es wird also eine heitere, edlen Character eigene Amme der Seelenentwickelung der Kindes nützen, das Gegentheil ergiebt sich von selbst. Ich will also hieraus nur den Schluss ziehen, dass Fähigkeiten nicht nur vererbt resp. angeboren werden müssen, sondern durch Säugung und bei entsprechender Wahl der Amme auch angezüchtet werden können. Ich weiss nicht ob Sie mir hierin beistimmen werden?

Meine ferneren Notizen beziehen sich erneut auf “mit Verständniss” sprechende Vögel. In der sächsischen Lausitz wohnt ein alter Mann, der sich seit Jahrzehnten nur mit der Dressur der Staare beschäftigt. Ein Beispiel möge Ihnen bezeugen wie weit es dieser Mann, Namens Deutscher, in seinem Fache gebracht.7

Er hatte einen Staar, den er noch flüge, d. h. zum Fliegen unreif, aus dem Neste genommen folgendes Gespräch gelernt:

Wer bist du? Der Staar: Ich bin der General Radezky8
Wie alt? " Ich bin siebzig Jahr.
Warst du tapfer? " Sehr, sehr tapfer!
Kannst du auch pfeifen?
   Auf diese Frage nun setzte sich der Staar in Position, commandirte von selbst an sich:—Achtung Musik!—und begann darauf das Volkslied: Schier dreissig Jahre bist du alt! zu pfeifen.

Dieser Vogel war ein wahres Prachtstück, ein Pfarrer erkaufte denselben und nach einem viertel Jahre frass ihm dessen Katze.

Noch gelehrter war ein Staar, welchen im Jahre 1867 ein Gasthofsbesitzer “zur Hummel” in Hörnitz bei Zittau in der Lausitz hielt.9 Dieses Thier sprach soviel und pfiff so viele Melodien, dass der Eigenthümer die ganze Gelehrsamkeit des Staares auf einen grossen Zettel druckte, diese Zettel an die Strassenecken heftete und dadurch viel Gäste anzog. Auch dieser Staar soll, wie man mir sagte, schliesslich einer Katze zum Opfer gefallen sein.

Eine vor Jahren im zoologischen Garten zu Dresden gehaltene Spottdrossel, sprach wenig, aber mit sichtlichem Verständniss. Kam ein Besucher an ihren Käfig, so war die erste Frage: “Hast du Zucker?” Erhielt sie nun solchen, rief sie laut: “danke, danke!” Erhielt sie aber keinen, oder wurde sie geneckt, schrie sie mit richtiger Entrüstung: “Du alter Bauer!” was allgemein belustigte.

Mir scheint es als wenn der Staar am verständlichsten zu sprechen vermögend wäre. Weder obige Spottdrosseln noch die Papageien etc die ich gehört, waren so gut zu verstehen.

Soviel für heute. Es wäre mir sehr erfreulich wenn Ihnen diese Notizen von einigem Intresse wären. Ich verehre Sie mein Herr, sehr hoch und bin in meiner Heimath als ein Darwinianer förmlich verschrieen, möchte daher gern auch mein Scherflein zum Ausbau Ihrer Lehre, die in der Naturwissenschaft eine förmliche Revolution hervorrief u. Epoche machte, beitragen. Aus diesem Grunde wollen Sie meine Notizen nachsichtig aufnehmen und Sie würden mich durch einige Zeilen, ob ich Ihnen auch künftig meine Bemerkungen wieder unterbreiten darf, recht glücklich machen.

Gebe Ihnen der Himmel Gesundheit und Kraft, damit Sie noch recht lange sich dem Ausbau Ihrer schönen Lehre zu widmen im Stande sind.

In unbegrenzter Verehrung begrüsst Sie | Ihr | hochachtungsvoll ergebenster | Dr. Alfred Moschkau | Schriftsteller.

CD annotations

Verso of last page: ‘very kind letter| Milk | Starling| (At work on physiology of Plants.’10 pencil

Footnotes

For a translation of this letter, see Appendix I.
CD was awarded the honorary degree of doctor of laws (LLD) at University of Cambridge on 17 November 1877 (LL 3: 222).
In an address to the German Association of Naturalists and Doctors, Rudolf Carl Virchow had criticised Ernst Haeckel’s views on the teaching of evolution in schools; he remarked on the dangers of ‘personal speculation in science’, and claimed that the theory of descent was insufficiently proven, especially with regard to the origins of life (see Virchow 1877, and Nature, 22 November 1877, pp. 73–4, 29 November 1877, pp. 93–4). For more on the controversy over Virchow’s address, see the letter to K. H. von Scherzer, 1 April 1878 and n. 2. No publication by Moschkau on this subject has been found.
In Descent 2d ed., p. 85 n. 52, CD had added information from Moschkau on a starling who said, in German, ‘Good morning’, to persons arriving, and ‘Goodbye, old fellow’, to those departing. See also Correspondence vol. 21, letter to Alfred Moschkau, 19 December 1873.
CD had written about the inheritance of mutilations and deformities in Variation 1: 22–4; on peculiar ear features as possible rudiments of an animal ancestor, see Descent 1: 22–3.
The quotation is from Friedrich Schiller’s Wilhelm Tell, 4. 3:

In gärend Drachengift hast du

die Milch der frommen Denkart mir verwandelt.

This may be translated as: ‘you have changed the milk of human kindness in me to a fermenting dragon’s poison’. ‘Frommen Denkart’ literally means ‘gentle (innocent) mindset’; ‘Denkungsart’ is a variant with the added meaning of ‘convictions’, and the usage is often ironic.
Lusatia (Lausitz) was part of the Kingdom of Saxony; in 1815 it was divided, with part of Upper Lusatia, including Dresden and Leipzig, remaining under Saxony and the rest transferred to Prussia (Columbia gazetteer of the world). Deutscher has not been identified.
Joseph Radetzky.
Bertsdorf-Hörnitz and Zittau are now in the state of Saxony (Germany).
CD’s note is for his reply (see letter to Alfred Moschkau, 28 March 1878).

Bibliography

Columbia gazetteer of the world: The Columbia gazetteer of the world. Edited by Saul B. Cohen. 3 vols. New York: Columbia University Press. 1998.

Correspondence: The correspondence of Charles Darwin. Edited by Frederick Burkhardt et al. 27 vols to date. Cambridge: Cambridge University Press. 1985–.

Descent 2d ed.: The descent of man, and selection in relation to sex. By Charles Darwin. 2d edition. London: John Murray. 1874.

Descent: The descent of man, and selection in relation to sex. By Charles Darwin. 2 vols. London: John Murray. 1871.

LL: The life and letters of Charles Darwin, including an autobiographical chapter. Edited by Francis Darwin. 3 vols. London: John Murray. 1887–8.

Variation: The variation of animals and plants under domestication. By Charles Darwin. 2 vols. London: John Murray. 1868.

Virchow, Rudolf. 1877. Die Freiheit der Wissenschaft im modernen Staat: Rede gehalten in der dritten allgemeinen Sitzung der fünfzigsten Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte zu München am 22. September 1877. 2d edition. Berlin: Wiegandt, Hempel & Parey.

Translation

From Alfred Moschkau1    26 March 1878

Editorial Office | of the illustrated stamp journal, Der Saxonia | the paper for autograph and portrait collectors. Gohlis-Leipzig,

26. March 1878.

Most esteemed Sir!

For a long time I have not dared bother you with a letter. Nevertheless I have always followed your activities, and noticed with great satisfaction the tributes paid to you by your admirers and by the English university.2 Virchow’s caustic attack on your theory caused me to pick up my pen and to write a refutation, which I sent to Professor Haeckel.3

The purpose of my writing today is firstly to thank you most kindly for the great honour you bestowed on me by including in your work communications I sent you; and further to submit a few of my recent findings for your examination and future use.4

The first case concerns the transmission of a deformity of the ear in a Thuringian to his son. The father has, you see, an inborn defect in his left ear, in that the outermost edge of the top of his ear shell is missing. His little son was born afflicted with exactly the same defect: in the same way the outermost edge of the ear shell of his left ear is missing. As a result, the ear in both the father and the son has a more pointed appearance, which is, however, not very noticeable.5

Secondly, I would like to draw your attention to the transmission of the temperament of wet nurses to their infants. This circumstance is of great importance, yet it is very rarely appreciated in this light. Just as it is accepted that certain illnesses can be transmitted from the wet nurse (or nursing mother!!) to the child, it can also be confirmed that by drinking the milk, certain characteristics, but especially the temperament, can be imbibed. The expression ‘the milk of human kindness’6 is therefore rather ironical. But if one allows that such transmission occurs, one arrives at a noteworthy fact, the question of wet nurses and whether keeping wet nurses is still at all justifiable. I have proof that children cared for by phlegmatic, withdrawn wet nurses received & retained these temperaments and dispositions. So a wet nurse with a cheerful noble disposition will benefit the mental development of the child, and the opposite naturally follows. I therefore draw the conclusion that characteristics must not only be inherited at birth, but can also be bred through suckling and by the appropriate choice of a wet nurse. I do not know whether you agree with me on this?

My remaining notes have to do once more with birds talking “with comprehension”. In the Saxon Lusatia there lives an old man who has been occupied for decades just training starlings. An example will show you how far this man, whose name is Deutscher, has got in his field.7

He taught a starling that he had taken out of its nest when it was still unfledged, i.e., not yet able to fly, the following speech:

Who are you? The Starling: I am General Radezky8
How old? " I am seventy years old.
Were you brave? " Very, very brave!
Can you whistle too?
   At this question the starling drew himself up, gave the command of his own accord:—Music!—and began thereupon to whistle the folk song: You’re almost thirty!

This bird was a real showpiece; a vicar bought it and after 3 months his cat ate it.

Even more learned was a starling which was kept by the proprietor of the guest house “zur Hummel” in Hornitz near Zittau in Lusatia in the year 1867.9 This animal talked so much and whistled so many melodies that the owner had the whole repertoire of the starling printed on a big sheet and hung the sheets up on street corners, so that it attracted a lot of guests. I am told that this starling also in the end fell victim to a cat.

A mocking-bird that was kept in the Dresden zoological garden years ago spoke little, but with obvious comprehension. If a visitor came up to its cage, then its first question was: “Have you any sugar?” If it got some, it called loudly: “Thank you, thank you!” But if it did not get any, or if it was teased, it cried with real indignation: “You old peasant!”, which amused everybody.

It looks to me as though starlings were the most capable of speaking intelligibly. Neither the above-mentioned mocking-bird nor the parrots etc. that I have heard were so easy to understand.

Enough for today. It would gratify me very much if these notes were of any interest to you. I respect you, my dear Sir, very highly and am formally disparaged in my homeland as a Darwinian, and would therefore very much like to do my share in expanding your theory, which has brought about a veritable revolution & started a new epoch in natural science. For this reason please treat my notes with indulgence; you would make me really happy with a few lines as to whether I may offer you my observations again in the future.

Heaven give you health and strength, so that you may be able to devote yourself for a very long time yet to the further elaboration of your fine theory.

With boundless respect I remain | yours | sincerely devoted | Dr. Alfred Moschkau | Writer.

Footnotes

For a transcription of this letter in its original German, see p. QQQQ.
CD was awarded the honorary degree of doctor of laws (LLD) at University of Cambridge on 17 November 1877 (LL 3: 222).
In an address to the German Association of Naturalists and Doctors, Rudolf Carl Virchow had criticised Ernst Haeckel’s views on the teaching of evolution in schools; he remarked on the dangers of ‘personal speculation in science’, and claimed that the theory of descent was insufficiently proven, especially with regard to the origins of life (see Virchow 1877, and Nature, 22 November 1877, pp. 73–4, 29 November 1877, pp. 93–4). For more on the controversy over Virchow’s address, see the letter to K. H. von Scherzer, 1 April 1878 and n. 2. No publication by Moschkau on this subject has been found.
In Descent 2d ed., p. 85 n. 52, CD had added information from Moschkau on a starling who said, in German, ‘Good morning’, to persons arriving, and ‘Goodbye, old fellow’, to those departing. See also Correspondence vol. 21, letter to Alfred Moschkau, 19 December 1873.
CD had written about the inheritance of mutilations and deformities in Variation 1: 22–4; on peculiar ear features as possible rudiments of an animal ancestor, see Descent 1: 22–3.
The quotation in the original German is from Friedrich von Schiller’s Wilhelm Tell, 4. 3:

In gärend Drachengift hast du

die Milch der frommen Denkart mir verwandelt.

This may be translated as: ‘you have changed the milk of human kindness in me to a fermenting dragon’s poison’. ‘Frommen Denkart’ literally means ‘gentle (innocent) mindset’; ‘Denkungsart’ is a variant with the added meaning of ‘convictions’, and the usage is often ironic. The English phrase ‘milk of human kindness’ is familiar from Shakespeare’s Macbeth act 1, scene 5.
Lusatia (Lausitz) was part of the Kingdom of Saxony; in 1815 it was divided, with part of Upper Lusatia, including Dresden and Leipzig, remaining under Saxony and the rest transferred to Prussia (Columbia gazetteer of the world). Deutscher has not been identified.
Joseph Radetzky.
Bertsdorf-Hörnitz and Zittau are now in the state of Saxony (Germany).

Bibliography

Columbia gazetteer of the world: The Columbia gazetteer of the world. Edited by Saul B. Cohen. 3 vols. New York: Columbia University Press. 1998.

Correspondence: The correspondence of Charles Darwin. Edited by Frederick Burkhardt et al. 27 vols to date. Cambridge: Cambridge University Press. 1985–.

Descent 2d ed.: The descent of man, and selection in relation to sex. By Charles Darwin. 2d edition. London: John Murray. 1874.

Descent: The descent of man, and selection in relation to sex. By Charles Darwin. 2 vols. London: John Murray. 1871.

LL: The life and letters of Charles Darwin, including an autobiographical chapter. Edited by Francis Darwin. 3 vols. London: John Murray. 1887–8.

Variation: The variation of animals and plants under domestication. By Charles Darwin. 2 vols. London: John Murray. 1868.

Virchow, Rudolf. 1877. Die Freiheit der Wissenschaft im modernen Staat: Rede gehalten in der dritten allgemeinen Sitzung der fünfzigsten Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte zu München am 22. September 1877. 2d edition. Berlin: Wiegandt, Hempel & Parey.

Summary

Describes hereditary defect in ear muscle.

Discusses influence of wet nurse on infant.

Describes talking starlings.

Letter details

Letter no.
DCP-LETT-11446
From
Otto Carl Alfred (Alfred) Moschkau
To
Charles Robert Darwin
Sent from
Leipzig
Source of text
DAR 171: 252
Physical description
3pp (German)

Please cite as

Darwin Correspondence Project, “Letter no. 11446,” accessed on 20 October 2021, https://www.darwinproject.ac.uk/letter/?docId=letters/DCP-LETT-11446.xml

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